Pflanzenleben im Molekülformat
Prof. Dr. Thomas Altmanns Antrittsvorlesung befasste sich mit der Genomanalyse von
PflanzenBereits während seines Biologiestudiums in Gießen und Berlin ging
Thomas Altmann auf die Genetikstrecke". Zunächst als Diplomand und später als
Doktorand experimentierte er am Institut für genbiologische Forschung der Freien
Universität in Dahlem. Dort überführte er erfolgreich DNA-Elemente des Maises in Zellen
der Unkrautplanze Ackerschmalwand (Arabidopsis). Die Arabidopsis wegen ihres
kleinen, kompakten und trotzdem voll funktionsfähigen Genoms ein weltweit bevorzugtes
Untersuchungsobjekt blieb auch Gegenstand seiner Habilarbeit an der FU. Hier stand
Genomanalyse zur Beantwortung entwicklungsbiologischer Fragen im Mittelpunkt.

Im Mittelpunkt der Antrittsvorlesung von
Thomas Altmann stand die funktionelle
Genomanalyse bei Pflanzen.
Foto: Bergmann |
Um funktionelle Genomanalyse bei Pflanzen als Weg zur umfassenden
Aufklärung der Lebensvorgänge auf molekularer Ebene" ging es dann auch in der
Antrittsvorlesung des Genetik-Professors am heißen Sommerabend des 11. Juli im
Uni-Naturwissenschaftsgebäude in Golm. Die etwa 50 Zuhörer unter ihnen zahlreiche
Studierende wurden im wahrsten Sinne des Wortes in die vorderste Linie
naturwissenschaftlicher Erkenntnis geführt, übersichtlich und in hohem Maße
bildhaft-anschaulich. Pflanzengenomforschung sei nötig, motivierte der Referent seine
Zuhörer, denn schließlich würden die Pflanzen 99 Prozent der Gesamtmasse aller
Lebewesen ausmachen, 170 Milliarden Tonnen Biotrockenmasse pro Jahr produzieren, Energie-
und Körperaufbaustoffe für das Leben von Mensch und Tier bereitstellen und die Grundlage
zum Beispiel für Bekleidung, Arzneimittel, Baustoffe bilden. Da wäre es schon
interessant, umfassende Kenntnisse über die Lebensvorgänge in Pflanzen zu gewinnen: Wie
verlaufen pflanzliche Entwicklungsprozesse? Was spielt sich im Stoffwechselgeschehen ab?
Wie erfolgt die Interaktion der Samenpflanzen mit der Umwelt, auf welche Weise reagieren
sie auf Hitze-, Wassermangel- oder Schädlingsstress?
Wie schwierig es ist, auf solche Fragen Antworten zu finden, bekamen Thomas Altmanns
Zuhörer bald zu spüren, stellen doch Pflanzen recht komplexe Systeme dar.
Als Zugang zum System Pflanzen mit seinen fast unzähligen Komponenten wählten
wir die Genomanalyse, das heißt, wir studierten und studieren die Bauanleitung für die
Pflanzen, ihr Erbgut, ihr Genom", führte der junge Professor die Zuhörer in den
Kernbereich seines Vortrages ein. Da gelte es zunächst einmal, das Erbgut der Pflanze
detailliert zu entschlüsseln. Dann müssten die Genprodukte, in der Regel die erzeugten
Proteine (Eiweißstoffe) bestimmt werden. Ferner interessierten den Genetikforscher die
Funktionen der einzelnen Genprodukte beispielsweise beim Aufbau der Zellen, bei
katalytischen Prozessen, bei der Gewährleistung von Sensorik und Signalübertragung. Als
der Redner dann schließlich seine Genomanalysetätigkeit konkret vorstellte, kamen doch
die weniger fachlichen Vorgebildeten im Publikum ins Staunen.
So wurden die 130 Millionen Basenpaaren der Arabidopsis-DNA in Teilstücke zu je etwa
100000 zerlegt, die Teilstücke zur Vermehrung in Bakterien eingeschleust, genau
bezüglich ihrer Zusammensetzung untersucht und virtuell wieder zu einem Genom
zusammengefügt diesmal mit 115 Millionen Basenpaare. Computerprogramme
helfen uns dann zu erkennen, wo auf der DNA ein Gen beginnt und wo es endet",
erklärte Thomas Altmann. Wir fanden bei den 115 Millionen Basenpaaren ungefähr
25000 Gene in relativ geringem Abstand zueinander."
Im weiteren Verlauf seiner Vorlesung erläuterte der Referent aktuelle Methoden und
Techniken der experimentellen und rechnerischen Bestimmung von Genaktivitäten und
aktivitätsbedingungen, der Produktion von Proteinen mit unterschiedlichen
Funktionen und der Ermittlung der differenzierten Zuständigkeit" der
zahlreichen Gene für Lebensprozesse des Ackerschmalwand-Unkrautes.
Eines steht fest und das unterstrich auch die lebendige Diskussion im Anschluss
an die Antrittsvorlesung: Thomas Altmann hat mit seiner vor einem Jahr angetretenen
Genetik-Professur einen zukunftsträchtigen Forschungsgegenstand an unserer Universität
etabliert.
Seine elfköpfige Arbeitsgruppe dürfte mit dazu beitragen, dass eines Tages in
größerem Umfang auch Kulturpflanzen zielgerichtet und rational begründet bezüglich
ihrer Wachstumsprozesse und Produkteigenschaften optimiert werden können.
ak
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[Letzte Aktualisierung 22.09.2002 Steffi Knappe]
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