Ich Uni, du
Shawne
Von der Sehnsucht nach weniger NormalitätSeitdem Shawne Bohrer-Fielding an der Seite des Schweizer Ex-Diplomaten Thomas
Bohrer-Fielding in Potsdam ihre schönen Hüte schwenkt, mag sich so mancher
Uni-Angehörige die Frage stellen: Wie wäre es eigentlich mit einer Liaison zwischen A
und B, zwischen Akademie und Boulevard? Eine medienkompatible Freundschaft mit der
amerikanischen Vorzeigedame vor heimischer Kulisse, das wär`s doch! Krisengeschüttelt,
aber nicht gerührt, könnte Shawne der Uni genau das geben, was ihr zu einem
erfolgreicheren Image bis dato fehlt, nämlich einen Hauch von Frohsinn, Glamour und
Extravaganz. Schließlich ist sie ein Garant dafür, dass Schaden nehmen nicht unbedingt
heißen muss, an Glanz zu verlieren. Im Gegenteil: Sie repräsentiert genau das, was hier
in Potsdam so gut ankommt, nämlich Stil. Dem ist natürlich auch der moderne
Wissenschaftler zugetan. Allein es stellt sich die schwierige Frage, wie Stil in Zeitgeist
zu transformieren wäre? Wirkungsvoll, versteht sich. Mit mehr Witz, Phantasie und Chuzpe!
Ich Uni, du Shawne? Ausgerechnet da offenbaren sich Berührungsängste. Mit ihr als
Gallionsfigur am hiesigen Bildungsflaggschiff die Popularitätssegel gesetzt und auf zur
Sturmfahrt durch die Untiefen von Politik und öffentlicher Meinung. Welche Chance!
Schließlich sind elf Jahre knochenhartes akademisches Tagesgeschäft nicht irgendein
intellektuell-pädagogisches Pensum, das in die Waagschale aus Reputation, Renommee und
Zukunftsvisionen geworfen werden kann. Aber will es wirklich jemand wissen? Oder geht es
einfach unter im ewigen Gerangel ums Geld und Studierende, denen die Stühle in den
Arbeitsräumen ebenso ausgehen wie vielleicht bald die Bücher? Wenigstens gibt`s
Begrüßungsgeld für diejenigen, die Vollzeitpotsdamer werden und schon mal kräftig mit
am Kulturhauptstadt-Strang" ziehen. Und alle bekommen das langersehnte
Kulturzentrum im Stadtinnern, auf dass dort endlich lokalstudentisches Kolorit, also was
richtig Authentisches entstehe. Oder vielleicht auch nicht, wer weiß. Gratis quasi und
pünktlich zur Wahl umarmen Politiker aller Parteien die wissenschaftlichen
Geisterbahnfahrer von morgen, als kolportierten sie das einstige ASTA-Motto: Eine
Uni - Eine Stadt". Wirkliche Verbundenheit indes will sich nicht einstellen.
Vielleicht ist die Universität inzwischen zu selbstverständlich geworden?
Selbstverständlich hat sie zu wenig da- und zuviel davon, selbstverständlich expandiert
sie baulich und selbstverständlich beeindruckend, selbstverständlich ist sie ein
wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region, Kulturfaktor in der Stadt, nichts Besonderes
für viele Potsdamer. Ein funktionierender Betrieb eben, nicht mehr, nicht weniger. Zuviel
Normalität. Ist die kürzlich realisierte Aktion Potsdam liest ein Buch"
nichts anderes als die schöngeisternde Profanisierung einer intellektuellen Debatte, an
der es Potsdam mangelt und deren Leerstelle die Universität eigentlich mit zu besetzen
hätte. Klimatisch gesprochen: Braucht diese Stadt nicht generell mehr intellektuelle
Hitze? Mehr geistigen Sturm? Einfach nur seine Arbeit zu machen, oft unspektakulär, nicht
selten zukunftsweisend, manchmal einmalig sogar wie die Shawne; es scheint nicht zu
genügen, um aus Universität und Stadt ein Herz und eine Seele zu formen. Die Schöne und
Reiche, ja die verkörpert geradezu das Symbiotische. Einmalig ist eben nicht gleich
einmalig. Universität und Stadt müssen weiter ihr Glück suchen. Und sich an Shawne
halten, denn die hat es schon gefunden. Immerhin.
tp
Titelthema
| Uni Aktuell | Forschung | Studiosi | Personalia | Vermischtes
Copyright© 2001 Universität
Potsdam, Glaesmer, Knappe
[Letzte Aktualisierung 22.09.2002 Steffi Knappe] |