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Klarer Auftrag
Wissenschaftskultur heißt der Impuls der Uni für die Stadt

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Wissenschaftliches Gesamtkunstwerk....

Die Landeshauptstadt Potsdams sieht sich am liebsten als Kulturstadt zwischen Tradition und Moderne. Allerdings bestehen immer noch Schwierigkeiten, dieses Selbstbild zu standardisieren. Zu weit noch liegen der Wiederaufbauwille von Stadtschloss und Garnisonskirche von den Planungen der Medienstadt und dem Nachdenken über einen Wissenschaftsstandort entfernt. Bezüglich letzterem darf man nicht vergessen, dass der kulturelle Aufbruch nach 1989 in Potsdam vor allem auch ein wissenschaftlicher war: Mit der Gründung und der Existenz der Universität bekam Potsdam eine neue Dimension; nicht zuletzt mit Blick auf Internationalität und Multikulturalität. Die Universität, geistiges Zentrum ohne Mittelpunkt in der Stadt, hat originär einen Wissenschaftsauftrag. Dieser besteht darin, Lehre und Forschung als widersprüchliche Wirklichkeitsdeutung zu vermitteln. Daraus entwickeln sich ihre Konturen und Impulse, die dann zu einer spezifischen und komplexen, mit dem entsprechenden „sozialen Wissensvorrat" ausgestatteten Wissenschaftskultur verschmelzen.

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... aus Forschungslaboren ...

In den städtischen Kontext gestellt, wird diese allerdings nicht selten mit Erwartungen konfrontiert, die oftmals gleichermaßen diffus erscheinen wie sie auf Wahrnehmungsmuster derjenigen verweisen, die allein die privaten Interessen widergespiegelt finden möchten. Kaum einer wundert sich darüber, dass von der Filmhochschule „Konrad Wolf" das Potsdamer Filmfest „Sehsüchte" ausgeht. Schließlich ist ihr so etwas implizit. Aber ebenso wundert sich niemand darüber, dass die Universität Mitveranstalter von UNIDRAM ist, mittlerweile eines der größten internationalen OFF-Theaterfestivals Deutschlands. Genug ist nie genug, und deshalb wird die Uni nicht selten als Kulturanbieter im Sinne kreativ-künstlerischer Artefakte angesehen, der sie von ihrem Auftrag her nur in zweiter oder dritter Linie ist. Gleichwohl ist deren Zahl durchaus beträchtlich. Die zumeist kleineren Unternehmungen fernab jeglichen Event-Gebahrens sind, wie könnte es anders sein, von unterschiedlichem Niveau, oft nur von kurzer Dauer und dennoch vielfältiger Ausdruck persönlichkeitsbildender, subkultureller Differenzierungen. Durch verschiedenste Personen und Projekte sind sie sowohl im Stadtgebilde selbst als auch darüber hinaus wie in einem kommunizierenden Röhrensystem miteinander verbunden. Wollte man Potsdamer Stadtgeschichte als Kulturgeschichte schreiben, käme man an diesen stark fluktuierenden Netzwerken nicht vorbei. Selbst Teil der Wissenschaftskultur, transformieren sie diese auf ihre Art und Weise ins lokale Bewusstsein. Unzweifelhaft würde ein studentisches Kulturzentrum stärker den Focus auf solche Impulse richten, die von und aus der Universität kommen und letztlich dorthin auch zurückwirken.

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... und subkulturellen Räumen.
Fotos Fritze

Im stadttypischen Wirrwarr von Partikularinteressen wird der wichtigste Grundzug besagter Wissenschaftskultur, die auch immer Informationskultur ist, allerdings zu wenig wahrgenommen: Die Kommunikation aus dem Geiste wissenschaftlicher Vernetzung. Die Debatte um ein Science Center in der Stadt, ein Projekt mit durchaus auch soziokultureller Komponente, unterstreicht dies einmal mehr. Wenn Kultur immer etwas über die Differenz zwischen Vorgefundenem und Geschaffenem aussagt, also letztlich über Gestaltung und deren Dynamik, dann zeigt sich die Uni durchaus mit beträchtlichem Qualitätsbewusstsein. Reserven bestehen zwar, aber das vielbeschworene weitgespannte Netz von Forschungseinrichtungen und An-Instituten, ist allein schon quantitativ gesehen eine finanziell-organisatorische Leistung, ein visionäres „wissenschaftliches Gesamtkunstwerk" mit riesigem Innovationspotential. Und doch gehört es nicht zu den festen kulturellen Gewohnheiten dieser Stadt, mit denen sie sich definiert. Fehlen da etwa Präsentations- und Vermittlungsstrategien durch die Stadt selbst! Ein wirkliches Konzept dafür, wie Wissenschaftskultur in städtische Gesamtkultur zu integrieren wäre? Vielleicht kommt daher auch der leise Zweifel, ob denn auf dem Ortseingangsschild tatsächlich „Universitätsstadt" zu lesen wäre, wenn es dort das Wörtchen „Landeshauptstadt" nicht schon gäbe?

tp

 

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Copyright© 2001 Universität Potsdam, Glaesmer, Knappe
[Letzte Aktualisierung 22.09.2002 Steffi Knappe]