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Auf dem Weg vom Armenhaus zum Tigerstaat
Universität Potsdam unterstützt Lehrerausbildung in Vietnam

Zwischen Ahnenverehrung und Wirtschaftsreform, so könnte das heutige Vietnam charakterisiert werden. Das etwa 78 Millionen Einwohner zählende Land befindet sich in einer Phase des Aufbruchs, der alle Bereiche der Gesellschaft tangiert. Das betrifft natürlich auch das Bildungs- und Hochschulwesen. In Vietnam läuft gegenwärtig eine mit großem Aufwand betriebene Reform des gesamten Bildungswesens vom Kindergarten bis zur Hochschule.

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Die Universität Hanoi aus dem 12. Jahrhundert ist heute
ein Museum. In die modernen Bildungsstätten zieht
ein neuer Geist ein.
Foto: privat

Bestandteil dieser Reform ist die Veränderung der Lehrerausbildung an den Hochschulen. Dafür wurde im Jahre 2000 weltweit ein Projekt zur Reform der Lehrerausbildung der Sekundarstufe I ausgeschrieben. Die Universität Potsdam als einzige Lehrerausbildungsstätte im Land Brandenburg beteiligte sich daran und hatte Erfolg. Sie erhielt gemeinsam mit amerikanischen und englischen Hochschulen den Zuschlag. Schon längere Zeit gibt es gute Kontakte zwischen verschiedenen Bereichen der Uni und vietnamesischen Einrichtungen, die oftmals zu DDR-Zeiten bereits angebahnt wurden. Heute verbindet die Uni Potsdam mit der Pädagogischen Universität Hanoi eine Hochschulpartnerschaft.

Fünf Potsdamer Wissenschaftler sind an dem neuen Projekt beteiligt. Sie unterstützen als Berater seit Ende 2001 und noch bis Mitte des kommenden Jahres auf unterschiedlichen Gebieten diese Reform. Hilfe vor Ort in mehrwöchigen Einsätzen geben Prof. Dr. Bernhard Muszynski, Leiter des Weiterbildungszentrums, Prof. Dr. Thomas Jahnke, Institut für Mathematik, Dr. Wieland Müller, Institut für Physik, sowie Prof. Dr. Hans-Joachim Laabs und Prof. Dr. Bernd Meier aus dem Institut für Arbeitslehre/Technik.

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Zwischen Tradition und Moderne: Hanoi
Foto: privat

Bestandteil ihrer Arbeit ist unter anderem die Analyse von Lehrplänen verschiedener Länder und die Entwicklung von neuen Rahmencurricula für zahlreiche an den vietnamesischen Lehrercolleges gelehrte Fächer und entsprechende Textbücher für Studierende. Sie erstellen des Weiteren Konzeptionen für Lehrerhandbücher und Studiengänge. „Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt im Bereich der Fachdidaktiken", sagt Bernhard Muszynski. Der Wissenschaftler ist sich sicher, dass die ostdeutschen Transformationserfahrungen für die Vietnamesen von großem Wert sind. So könnten sie beispielsweise von den Erfahrungen bei der Umsetzung des Potsdamer Modells der Lehrerbildung und des Sonderprogramms zur Weiterqualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern profitieren.

Bereits viermal war Bernd Meier in Vietnam. Sein erster Arbeitsaufenthalt 1999 erfolgte im Rahmen einer durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderten Gastdozentur. Er machte dort mit dem Potsdamer Modell der Lehrerbildung bekannt und knüpfte mit Unterstützung eines ehemaligen Doktoranden aus Vietnam Kontakte zum vietnamesischen Bildungsministerium. Im derzeit laufenden Projekt ist er verantwortlich für die Entwicklung des Designs aller Curricula. Als besonderen Erfolg seiner Arbeit in Vietnam wertet er „den Übergang von geschlossenen zu relativ offenen Curricula, die den Lehrerbildungseinrichtungen notwendige Gestaltungsmöglichkeiten schaffen". Darüber hinaus betreute der Wissenschaftler die Entwicklung der Fachcurricula für Pädagogik, Psychologie, Informatik und Technologie.

Der Physikdidaktiker Wieland Müller ist beratend bei der Entwicklung von Curricula in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie, Geographie, Mathematik und Physik tätig. Er stellte bei seiner Arbeit fest, „dass in vietnamesischen Ausbildungsprogrammen derzeit streng zwischen fachlicher und didaktischer Ausbildung getrennt wird". Nach intensiven Gesprächen mit den vietnamesischen Partnern habe man sich darauf verständigt, diese strenge Trennung aufzuheben. Durch die Koppelung von Fach- und Didaktikausbildung sollen in Zukunft Lernprozesse in den Mittelpunkt der Lehrerausbildung gestellt und somit die Studierenden vom ersten Studienjahr an auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet werden. „Um diese neuen Intentionen in der Ausbildung aber umsetzen zu können, ist eine intensive Weiterbildung der in Vietnam dafür verantwortlichen Hochschullehrer notwendig", betont Wieland Müller.

Hans-Joachim Laabs und Thomas Jahnke entwickeln gemeinsam mit den vietnamesischen Experten die Grundlagen für spezielle Studienmaterialien und Handbücher für die Lehrerbildner vor Ort. Insgesamt sind in den nächsten drei Jahren über 300 Textbücher neu zu schreiben. Aber auch die Grundlagen für das Selbststudium mittels Internet sollen geschaffen werden.

be

 

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[Letzte Aktualisierung 23.09.2002 Steffi Knappe]